Pressemitteilung Nr. 2 - 2021

Ausstellung „Johann Christian Lotter – Ein ideenreicher Reißzeugfabrikant“

Neue Sonderausstellung in den Museen im Alten Schloss lässt dieses Frühjahr die Geschichte des Neustädter Reißzeugfabrikanten Johann Christian Lotter Revue passieren. Am 24. März öffnet die Ausstellung offiziell für Besucher.

Beim Schlagwort „Reißzeuge“ dürfte es bei vielen Neustädtern im Gedächtnis klingeln, denn die Stadt war neben anderen Orten im Landkreis ein wichtiger Standort der fränkischen Reißzeugindustrie. Heute hat die Zirkelproduktion ihre Bedeutung eingebüßt, da technische Zeichnungen inzwischen am Computer erstellt werden und die verschiedenen Zirkel in der Regel nur noch im Mathematik-Unterricht zum Einsatz kommen. Ihr Revival erleben die Reiszeuge jetzt aber im Museum, denn die Museen im Alten Schloss zeigen nun eine Sonderausstellung zum Thema „Johann Christian Lotter – Ein ideenreicher Reißzeugfabrikant“.

Hans-Joachim Vollrath, emeritierter Mathematik-Professor der Universität Würzburg, hat die Schau zusammengestellt. Bei Recherchen zu historischen mathematischen Instrumenten ist er auf die fränkische Reißzeugindustrie gestoßen und hat mit dem Sammeln der unterschiedlichsten Zirkeltypen begonnen. Seine Nachforschungen brachten Vollrath auch ins Neustädter Stadtarchiv, wo er gemeinsam mit Dr. Peter Pfeiffer, der hier ehrenamtlich tätig ist, dem Leben und Wirken des Reißzeugfabrikanten Johann Christian Lotter (1856 –1936) auf den Grund ging. Auch ins Zirkelmuseum in Wilhelmsdorf führte Vollraths Weg.

So trug Hans-Joachim Vollrath mit der Zeit eine eindrucksvolle Zirkelsammlung zusammen, anhand derer sich die technischen Entwicklungen der Reißzeuge bestens nachvollziehen lassen – und vor allem der Ideenreichtum Johann Christian Lotters. Peter Pfeiffer verwies den Forscher dann an die Museen im Alten Schloss.

Einblick in die Geschichte der Zirkelindustrie

Jahrhunderte lang war Nürnberg das Zentrum der Reißzeugmacher in Deutschland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war dieses Handwerk durch qualitative Mängel in eine tiefe Krise geraten, die erst mit dem beginnenden Industriezeitalter durch moderne Reißzeugfabriken überwunden werden konnte. Diese Entwicklung strahlte bald auch in die Umgebung aus. So entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert in Emskirchen, Langenzenn, Neustadt an der Aisch und Wilhelmsdorf Reißzeugfabriken mit ihren Zulieferern und Ablegern, die nach und nach an Bedeutung gewannen und schließlich die Nürnberger Produzenten überflügelten.

Johann Christian Lotter trug wesentlich zu dieser Entwicklung bei. Mit seinen technischen Ideen, die er sich in Patenten sichern ließ und die er als selbstständiger Reißzeugmacher und Reißzeugfabrikant realisieren konnte, gab er der Reißzeugindustrie wichtige Impulse. Seine Reißzeuge waren von hoher Qualität und im In- und Ausland begehrt, sicherten vielen Menschen in der Region in schwierigen Zeiten Arbeit und machten Neustadt als Firmensitz mit einem Zweigwerk in Wilhelmsdorf bekannt.

Ein Stück Neustädter Industriegeschichte

Die Ausstellung im Alten Schloss erinnert nun an diesen ideenreichen fränkischen Reißzeugfabrikanten und sein für Neustadt so wichtiges Wirken. Und natürlich werden seine Erfindungen präsentiert. „Prof. Vollrath hat eine tolle Sammlung an Reißzeugen zusammengestellt, an denen sich die Funktionsweise und die Weiterentwicklungen von Lotters Instrumenten nachvollziehen lassen,“ freut sich Museumsleiter Jochen Ringer. „Über diese Zusammenarbeit sind wir sehr glücklich, denn hier ist eine wirklich sehenswerte Ausstellung über ein Stück Neustädter Industriegeschichte entstanden.“

Bereits 1892 gründete Lotter zusammen mit Edmund Boden in Emskirchen die Reißzeugfabrik Emskirchen E. Boden, die sie 1896 nach Wilhelmsdorf verlegten. Doch 1897 trennten sie sich wieder. Es wurde ein langer Weg, der ihn über Nürnberg, Langenzenn und Würzburg dann 1917 schließlich nach Neustadt führte. Im Alter von bereits 61 Jahren gründete er hier schließlich die Reißzeugfabrik Johann Christian Lotter. Die Erfolge ermutigen ihn, 1919 in Wilhelmsdorf ein Zweigwerk zu errichten. Eine Erfolgsgeschichte, denn sein Werk führten noch zwei Generationen seiner Nachkommen erfolgreich fort.

Für den Mathematik-Professor Vollrath geht es bei den Reißzeugen schließlich nicht nur um technisches Zeichnen. „Das Thema ist auch kulturgeschichtlich interessant, da es sich bei den Reißzeugen um ein Produkt des Industriezeitalters handelt. Einerseits waren die Entwicklungen in der Reißzeug-Technik notwendig, um die Industrialisierung voranzubringen, da damals immer präzisere Geräte benötigt wurden. Andererseits ermöglichte die Industrialisierung die massenhafte Produktion der Instrumente.“

Die Ausstellung öffnet am 24. März offiziell für Besucher und ist bis voraussichtlich Ende Juli 2021 in den Museen im Alten Schloss zu sehen, so es die Corona-Situation zulässt. Auf eine Vernissage zur Eröffnung der neuen Ausstellung wollen die Museen in Anbetracht der Umstände aber verzichten.

In unserem Pressebereich haben wir eine Auswahl an Pressebildern für Sie bereitgestellt, die Sie unter Angabe der Herkunft gerne zur Berichterstattung verwenden können.

Herzliche Grüße aus dem Alten Schloss

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